Wann ruft das Krankenhaus an, wenn jemand stirbt?

Ein Telefon auf einem hellen Holztisch neben einer ruhig brennenden Kerze und einem Notizblock, gedämpftes nächtliches Licht – Sinnbild für den Anruf des Krankenhauses bei Angehörigen im Todesfall

Wenn ein naher Mensch im Krankenhaus liegt und es ihm schlecht geht, wartet man oft angespannt auf ein Telefon, das jederzeit klingeln könnte. Viele Angehörige fragen sich dann: Ruft die Klinik überhaupt an, wenn er oder sie stirbt – und wenn ja, auch mitten in der Nacht? Die beruhigende Antwort vorweg: Ja. Stirbt ein Patient im Krankenhaus, benachrichtigt die Klinik die hinterlegte Kontaktperson in aller Regel unverzüglich – telefonisch und unabhängig von der Uhrzeit, also auch nachts und am Wochenende.

Dieser Ratgeber erklärt in Ruhe, wann und wie das Krankenhaus im Todesfall anruft, wen es benachrichtigt, was am Telefon gesagt wird und was Sie danach tun müssen – und was getrost bis zum nächsten Morgen warten kann.

Ruft das Krankenhaus an, wenn ein Patient stirbt?

Ja – verstirbt ein Patient in der Klinik, informiert das Krankenhaus die Angehörigen von sich aus, in der Regel umgehend per Telefon. Anders als beim Tod zu Hause müssen Sie hier nicht selbst tätig werden: Das Personal stellt den Tod fest, versorgt den Verstorbenen und ruft die Kontaktperson an, die bei der Aufnahme in der Krankenakte hinterlegt wurde.

Eine ausdrückliche, gesetzlich festgeschriebene „Anrufpflicht” gibt es zwar nicht – die Benachrichtigung naher Angehöriger gehört aber zur selbstverständlichen Praxis jeder Klinik. Entscheidend ist deshalb nur eine Sache: Es muss eine erreichbare Kontaktperson mit aktueller Telefonnummer hinterlegt sein. Fehlt diese Angabe, kann das Krankenhaus niemanden erreichen (dazu weiter unten mehr). Gerade bei älteren oder schwer kranken Patienten lohnt es sich daher, dem Aufnahmebüro einen festen Ansprechpartner mit Nummer zu nennen.

Wann genau ruft das Krankenhaus an – und wen?

Der Anruf erfolgt in der Regel unverzüglich, nachdem ein Arzt den Tod festgestellt hat. Informiert wird die in der Patientenakte hinterlegte Kontakt- oder Notfallperson – meist der nächste Angehörige. Wen die Klinik anruft, richtet sich also nach den Angaben bei der Aufnahme, nicht nach einer festen Verwandtschaftsrangfolge.

  • Hinterlegte Kontaktperson zuerst. Das ist die Person, die bei der Aufnahme als Ansprechpartner oder Notfallkontakt genannt wurde – Ehepartner, Kind, ein anderer Angehöriger oder eine bevollmächtigte Person.
  • Zeitpunkt: sofort nach der Todesfeststellung. Sobald der diensthabende Arzt den Tod bestätigt hat, wird die Kontaktperson angerufen – ohne bewusstes Abwarten bis zu einer „passenderen” Uhrzeit.
  • Ein wichtiger Hinweis zur Zeit davor: Solange der Patient noch lebt, gilt die ärztliche Schweigepflicht. Ein Krankenhaus ruft also nicht automatisch an, „weil es schlecht steht”. Wenn Sie im Ernstfall rechtzeitig gerufen werden möchten, um sich verabschieden zu können, sollten Sie diesen Wunsch dem Stationspersonal ausdrücklich mitteilen und Ihre Nummer hinterlegen.

Ruft das Krankenhaus auch nachts an, wenn jemand nachts stirbt?

Ja. Stirbt ein Patient nachts, ruft das Krankenhaus in der Regel auch nachts an – der Tod wird nicht bis zum Morgen „aufgeschoben”. Kliniken sind rund um die Uhr besetzt; der Nachtdienst stellt den Tod fest und benachrichtigt die hinterlegte Kontaktperson zeitnah, unabhängig davon, ob es drei Uhr nachts oder Sonntagmorgen ist.

Der Gedanke dahinter ist Rücksicht, nicht Eile: Angehörige sollen die Nachricht so früh wie möglich erhalten und selbst entscheiden können, ob sie noch in der Nacht kommen oder erst am nächsten Tag. Für Sie als Angehörige bedeutet das aber nicht, dass Sie nachts sofort aufbrechen müssen – warum, steht im nächsten Abschnitt.

Was wird am Telefon gesagt – und muss ich sofort kommen?

Üblich ist eine behutsame telefonische Mitteilung, dass der Angehörige verstorben ist, verbunden mit der Einladung, in die Klinik zu kommen. Sofort losfahren müssen Sie nicht. Wie ausführlich am Telefon gesprochen wird, hängt vom Einzelfall und vom Personal ab – manche Kliniken teilen den Tod direkt mit, andere bitten zunächst nur, in die Klinik zu kommen. In jedem Fall dürfen Sie nachfragen, was passiert ist und wie es nun weitergeht.

Sie entscheiden anschließend selbst, wann Sie kommen. Der Verstorbene ist versorgt, und der Abschied hat Zeit – auch bis zum nächsten Morgen. Niemand wird Sie drängen, mitten in der Nacht aufzubrechen. Nehmen Sie sich die Ruhe, die Sie in diesem Moment brauchen; die eigentlichen Formalitäten beginnen ohnehin erst am nächsten Werktag. Einen Gesamtüberblick über die nächsten Tage gibt der Ratgeber Was tun im Todesfall?.

Was das Krankenhaus direkt nach dem Tod übernimmt

Der große Unterschied zum Tod zu Hause: Im Krankenhaus übernimmt die Klinik die ärztliche Todesfeststellung und den Totenschein – Sie müssen keinen Arzt rufen. Ein diensthabender Arzt führt die vorgeschriebene Leichenschau durch und stellt die Todesbescheinigung (Totenschein) aus. Das Pflegepersonal entfernt medizinische Geräte und versorgt den Verstorbenen. Erst danach wird der Leichnam zum Abschied hergerichtet.

Die folgende Übersicht zeigt, wer im Todesfall was tut – je nachdem, wo der Tod eintritt:

Tod im KrankenhausTod zu Hause
Arzt rufenNein – die Klinik übernimmt dasJa – Hausarzt oder ärztlicher Bereitschaftsdienst (116 117)
Todesfeststellung / LeichenschauDiensthabender KlinikarztGerufener Arzt vor Ort
TotenscheinWird von der Klinik ausgestelltWird vom gerufenen Arzt ausgestellt
Wer benachrichtigt wenKlinik ruft die Angehörigen anAngehörige rufen selbst Arzt und weitere Personen
Ihre erste AufgabeBestatter beauftragenZuerst Arzt rufen, dann Bestatter

Wer den Totenschein ausstellt und was darin steht, erklärt der Ratgeber Wer stellt den Totenschein aus?. Und wenn der Tod zu Hause eingetreten ist, hilft der Ratgeber Wen ruft man an, wenn jemand gestorben ist? mit der richtigen Reihenfolge.

Wie lange können Angehörige im Krankenhaus Abschied nehmen?

Sie können sich in Ruhe verabschieden – der Verstorbene bleibt nach dem Tod noch eine Weile auf der Station, meist einige Stunden. Kliniken drängen die Angehörigen nicht: Der Leichnam wird in der Regel für rund zwei Stunden, oft auch länger, im Patientenzimmer oder einem ruhigen Abschiedsraum belassen, damit Angehörige kommen und Abschied nehmen können.

Wenn Sie in dieser Zeit Begleitung brauchen, können Sie um die Klinikseelsorge bitten – sie ist in den meisten Krankenhäusern rund um die Uhr erreichbar und steht Menschen jeder Konfession und auch ohne Konfession offen. Fragen Sie das Stationspersonal ruhig, wie viel Zeit Sie haben und ob ein eigener Abschiedsraum zur Verfügung steht; beides lässt sich fast immer einrichten.

Wo wird der Verstorbene aufbewahrt – und wie lange?

Nach der Zeit auf der Station wird der Verstorbene in den klinikeigenen Kühlraum überführt und dort aufbewahrt, bis der Bestatter ihn abholt. Jedes Krankenhaus verfügt über einen gekühlten Aufbewahrungsraum (oft als Leichenhalle oder Kühlraum bezeichnet). Auch dort ist in vielen Häusern ein Abschied nach Absprache noch möglich.

Zwei Dinge sind dabei praktisch zu wissen:

  • Es entstehen Aufbewahrungskosten. Für die Kühlung berechnen viele Kliniken eine Tagespauschale, häufig in der Größenordnung von etwa 10 bis 20 Euro pro Tag. Diese Kosten gehören zu den späteren Bestattungskosten – einen Überblick gibt der Ratgeber Was kostet eine Beerdigung?.
  • Es gibt eine Frist zur Abholung. In vielen Bundesländern soll ein Verstorbener innerhalb einer bestimmten Zeit – vielerorts rund 36 Stunden nach dem Tod – aus dem Sterbezimmer in einen geeigneten Raum überführt beziehungsweise vom Bestatter übernommen werden. Die genauen Fristen regeln die Bestattungsgesetze der Länder und können abweichen. Für Sie heißt das: den Bestatter zeitnah beauftragen, aber nicht in Panik geraten – die Klinik kümmert sich bis dahin um die Aufbewahrung.

Was passiert mit persönlichen Gegenständen und Wertsachen?

Die persönlichen Sachen des Verstorbenen – Kleidung, Brille, Schmuck, Wertsachen – werden von der Klinik verwahrt und den berechtigten Angehörigen ausgehändigt. In der Regel holen Sie diese Habseligkeiten bei einem späteren Besuch ab, oft gegen eine kurze Quittung. Fragen Sie am besten direkt am Telefon oder beim ersten Besuch, wo und wann Sie die persönlichen Gegenstände in Empfang nehmen können.

Aus Datenschutzgründen gibt die Klinik Auskünfte und Gegenstände nur an berechtigte Personen heraus – also an nahe Angehörige beziehungsweise Bevollmächtigte. Bringen Sie deshalb zum Besuch nach Möglichkeit einen Ausweis und, falls vorhanden, eine Vollmacht oder einen Nachweis der Verwandtschaft mit.

Was Sie nach dem Anruf des Krankenhauses selbst erledigen müssen

Ihre wichtigste eigene Aufgabe ist es, ein Bestattungsunternehmen zu beauftragen – alles Weitere ergibt sich daraus in den nächsten Tagen. Nach dem Anruf der Klinik liegt der medizinische und organisatorische Teil zunächst beim Krankenhaus; der nächste Schritt liegt bei Ihnen, hat aber Zeit bis zum nächsten Werktag:

  1. Bestatter auswählen und beauftragen. Der Bestatter stimmt sich direkt mit der Klinik ab, übernimmt die Überführung und erledigt einen Großteil der Formalitäten. Sie dürfen Angebote in Ruhe vergleichen. Was ein Bestattungsunternehmen alles übernimmt, erklärt der Ratgeber Was macht ein Bestatter?.
  2. Bestattungsart und Grab überlegen. Erd- oder Feuerbestattung, Wunschfriedhof, Grabart – vieles davon können Sie gemeinsam mit dem Bestatter klären.
  3. Sterbeurkunde beim Standesamt – läuft in der Praxis meist über den Bestatter. Wie es abläuft, steht im Ratgeber zur Sterbeurkunde vom Bestatter.
  4. Persönliche Sachen abholen und den Kühlraum-/Aufbewahrungszeitraum mit der Klinik klären.
  5. Weitere Benachrichtigungen – Familie, Arbeitgeber, Versicherungen, Bank – folgen in den Tagen danach, meist erst, wenn die Sterbeurkunde vorliegt.

Wann die Beerdigung nach dem Tod stattfinden kann, erklärt der Ratgeber Wann ist die Beerdigung nach dem Tod?.

Sonderfälle: keine Angehörigen, Intensivstation, Obduktion

In einigen Situationen läuft die Benachrichtigung oder das weitere Vorgehen anders – hier die wichtigsten Sonderfälle im Überblick.

Was passiert, wenn keine Angehörigen erreichbar sind?

Sind keine Kontaktdaten hinterlegt oder ist niemand erreichbar, kann die Klinik zunächst niemanden informieren. In solchen Fällen schaltet sich das Ordnungsamt ein, um Angehörige zu ermitteln; unter Umständen wird auch die Polizei hinzugezogen. Das ist ein normales Verfahren und kein Vorwurf – es unterstreicht aber, wie wichtig eine hinterlegte Kontaktperson ist.

Tod auf der Intensivstation und die Frage der Organspende

Verstirbt jemand auf der Intensivstation, kann in seltenen Fällen das Thema Organspende aufkommen. Eine Organspende ist nur bei zweifelsfrei festgestelltem Hirntod – geprüft von zwei unabhängigen Ärzten – und nur mit vorliegender Einwilligung möglich (etwa per Organspendeausweis oder durch die Angehörigen im Sinne des Verstorbenen). Ohne beides findet keine Organspende statt.

Obduktion oder klinische Sektion

Möchte die Klinik zur Klärung der Todesursache eine klinische Obduktion (Sektion) durchführen, ist dafür eine Einwilligung nötig – zu Lebzeiten durch den Verstorbenen selbst oder danach durch die totensorgeberechtigten beziehungsweise bevollmächtigten Angehörigen. Als Angehöriger haben Sie das Recht, einer solchen Sektion zu widersprechen. Davon zu unterscheiden ist eine behördlich angeordnete Obduktion bei ungeklärter oder nicht natürlicher Todesursache; hier entscheidet die Staatsanwaltschaft.

Häufige Fragen

Ruft das Krankenhaus sofort an, wenn jemand stirbt? In der Regel ja. Sobald ein Arzt den Tod festgestellt hat, benachrichtigt die Klinik die hinterlegte Kontaktperson zeitnah per Telefon. Voraussetzung ist, dass eine erreichbare Nummer in der Patientenakte hinterlegt ist.

Ruft das Krankenhaus auch nachts an, wenn jemand nachts stirbt? Ja. Kliniken sind rund um die Uhr besetzt, und der Tod wird nicht bis zum Morgen aufgeschoben. Der Nachtdienst benachrichtigt die Angehörigen auch nachts, am Wochenende und an Feiertagen – damit sie selbst entscheiden können, wann sie kommen.

Muss ich nachts sofort ins Krankenhaus kommen? Nein. Der Verstorbene ist versorgt, und der Abschied hat Zeit – auch bis zum nächsten Morgen. Niemand drängt Sie, mitten in der Nacht aufzubrechen. Die Formalitäten beginnen ohnehin erst am nächsten Werktag.

Wen informiert das Krankenhaus im Todesfall? Die bei der Aufnahme hinterlegte Kontakt- oder Notfallperson – meist der nächste Angehörige oder eine bevollmächtigte Person. Deshalb ist es wichtig, bei der Aufnahme einen erreichbaren Ansprechpartner mit Telefonnummer anzugeben.

Sagt man mir den Tod am Telefon oder soll ich nur kommen? Das ist unterschiedlich. Viele Kliniken teilen den Tod behutsam am Telefon mit und laden dann in die Klinik ein; andere bitten zunächst nur, in die Klinik zu kommen. Nachfragen dürfen Sie in jedem Fall.

Wie lange kann ich mich im Krankenhaus verabschieden? Der Verstorbene bleibt nach dem Tod meist einige Stunden auf der Station, danach im gekühlten Aufbewahrungsraum. In beiden Fällen ist ein Abschied nach Absprache möglich – oft auch mit Begleitung durch die Klinikseelsorge.

Muss ich im Krankenhaus selbst einen Arzt für den Totenschein rufen? Nein. Anders als beim Tod zu Hause übernimmt die Klinik die ärztliche Leichenschau und stellt den Totenschein aus. Ihre erste eigene Aufgabe ist es, einen Bestatter zu beauftragen.

Dieser Text bietet eine allgemeine Orientierung und ersetzt keine rechtliche oder individuelle Beratung. Abläufe im Krankenhaus, Fristen und Zuständigkeiten – etwa die Aufbewahrungs- und Überführungsfristen – sind in den Bestattungsgesetzen der Bundesländer und den Regeln der jeweiligen Klinik geregelt und können abweichen. Im Zweifel helfen das Stationspersonal, die Klinikseelsorge oder ein Bestatter Ihres Vertrauens weiter.